20 Jahre Lutzemanns Jatzkapelle: TIGER RAG


Für Freunde und Sammler hier ein Foto-Album mit Bildern aus 20 Jahren Lutzemanns Jatzkapelle in Kombination mit einem Titel unserer ersten CD, "Tiger Rag" (Lutzemanns Jatzparade, 1997)


Quedlinburg swingt 2013

Jugend jazzt, 20 Jahre Lutzemanns Jatzkapelle u.a.

© Lutz Eikelmann, 2013

 

         Drei Tage lang war die altehrwürdige Reichsgründungsstadt Quedlinburg am Ostharz erneut vom Jazz erfüllt. Zum 11.Mal veranstaltete der Freundeskreis „Quedlinburg swingt“ e.V. vom 28.-30. Juni 2013 die „Quedlinburger Dixieland- und Swing-Tage“, ein in Mitteldeutschland zunehmend beliebteres Jazzfestival. Für meine „Lutzemanns Jatzkapelle“ war es eine besondere Freude, unser 20jähriges Bandjubiläum bei unseren Freunden im Harz feiern zu können. Hatten wir dieses Bandjubiläum bereits in den Monaten zuvor in kleineren Konzerten in der nordrhein-westfälischen Heimat begehen können, kehrten wir nun an eine alte Wirkungsstätte zurück, denn vor einem Jahr waren wir mit „LJK“ schon einmal erfolgreich bei diesem Festival aufgetreten.Die „Mountain Village Jazzmen“ aus Hamburg-Bergedorf eröffneten am Freitagabend das diesjährige Festival um 20.00 Uhr, dann waren eine Stunde später wir Lutzemänner dran und erfreuten das sympathische und begeisterungsfähige Publikum mit einer guten Mischung aus populären Evergreen-Melodien und klassischen Jazztiteln. Sowohl unser dynamischer Rhythmus wie – nicht zu vergessen! – der Gesang unseres Kornettisten Jörg Kuhfuss zündeten sofort bei der Zuschauergemeinde. Was will man als Musiker mehr?

         Als das Ende unserer Serie um 22 Uhr näherrückte, betraten Dr. Dietrich König, der Vorsitzende des Freundeskreises "Quedlinburg swingt!" und drei Damen des Freundeskreises die Bühne und gratulierten uns zum 20jährigen Bandbestehen. Die dabei überreichte Jubiläumstorte überlebte das Wochenende allerdings nicht. Gedachte ich die Stunde mit “When The Saints Go Marching In“ zu beenden, bat Dr. König uns um Ice Cream. Nun, die “Mountain Village Jazzmen“ hatten diesen Ohrwurm schon in ihrer Serie gespielt, doch bitte, der Kunde ist König – und in diesem Fall war halt Dr. König der König! Wir erfüllten gerne diesen Wunsch und beschlossen unseren Auftritt am Freitagabend mit Guten Abend, gute Nacht!, bei dem die Zuhörer genauso begeistert mitsangen wie zuvor bei You Are My Sunshine.

         Den verdienten Feierabend beschlossen wir bei der sogenannten Absackerparty in der Kaffeerösterei Samocca, wo die “Hedgehog Stompers“ aus Buxtehude aufspielten, die mir ganz gut gefielen. Da die meisten LJK-Musiker schon lange auf den Beinen waren, feierten wir jedoch nicht bis in die Puppen und zogen uns bald ins Hotel zurück.

         Den freien Samstagvormittag nutzte ich, um einige historische Stätten des geschichtsträchtigen Quedlinburg zu besuchen, so die Überreste der Klosteranlage auf dem Münzenberg wie auch die St.Wiperti-Kirche. Während meine Bandkollegen noch bis zum späten Nachmittag Freizeit hatten, war ich von 14 bis 18 Uhr als Jurymitglied im „Landeswettbewerb der Jugend-Big-Bands Sachsen-Anhalt“ tätig, der mit Unterstützung des Landesmusikrates Halle und der Skoda AG Deutschland auf der Bühne Marktkirchhof durchgeführt wurde. Für die Dixieland-Freunde empfahl sich alternativ vom Mittag bis zum frühen Abend die sogenannte “Dixie Train“-Unternehmung, die die Musikliebhaber und sieben Bands mittels Schmalspurbahn durch landschaftlich reizvolle Regionen des Harzes transportierte.

         Beim Bigband-Wettbewerb traten drei Orchester an: zunächst die „Big-Band der Musik- und Kunstschule Stendal“ unter Leitung von Benjamin Ulrich, dann die „Big-Band Aschersleben“ unter Leitung von Alexander Erpilev und zum Abschluß die „KON-Big-Band“ vom Konservatorium „G.F.Händel“ (Halle) unter Leitung von Johannes Reiche. Alle Bands wiesen ein gutes musikalisches Potential auf, überzeugten mit gutem Zusammenspiel, einem abwechslungsreichen Repertoire und guten Arrangements. Besonders lebendig, rund und souverän war jedoch die Darbietung der 13- bis 18-jährigen Jugendlichen aus Aschersleben, die letztendlich auch als Gewinner aus diesem Wettbewerb hervorgingen und 2014 zur Bundesbegegnung „Jugend jazzt mit dem SKODA Jazzpreis“ nach Stuttgart reisen werden. Trotz einer Viertelstunde Verzögerung beim Soundcheck lief das weitere Programm störungsfrei und diszipliniert ab. Am Samstagnachmittag war das Wetter leider sehr frisch und vor allem auch windig. An den Temperaturen ließ sich nichts ändern und der Folgen des Windes wurden alle drei Bigbands durch einen enormen Einsatz von Wäscheklammern Herr, so daß die Noten nicht von den Notenständern verweht wurden.

         Die dreiköpfige Jury unter Vorsitz von Prof. Ralf Schrabbe (Leipzig) war sich in der Bewertung der musikalischen Darbietungen einig, so daß nach einer kurzen Jury-internen Besprechung die Orchesterleiter in der Reihenfolge ihrer Auftritte von der Jury zu einem privaten Gespräch ins "Café am Markt" vorgeladen wurden, um sowohl die Bewertung zu begründen wie auch allen Beteiligten eine konstruktive Manöverkritik auf den Weg zu geben.

         Um 18 Uhr wurde der Bigband-Wettbewerb für anderthalb Stunden unterbrochen, bevor um 19.30 Uhr die „Big-Band Aschersleben“ noch einmal auf dem Marktkirchhof auftrat und die Titel Chattanooga Choo-Choo, Bernie´s Tune, In A Sentimental Mood, Boogie Woogie Bugle Boy, Sidewinder und Tuxedo Junction darbot. Ich überreichte gemeinsam mit Herrn Andreas Lüdicke (Landesmusikrat Sachsen-Anhalt) die Urkunden an die ersten, zweiten und dritten Sieger des Wettbewerbs. Nach dem Konzert sprach ich dem erfahrenen „Fuchs“ und Bandleader Alexander Erpilev hinter der Bühne mein Lob für seine gelungene Arbeit aus. Besonders lobte ich die Melodie-Präsentation der jungen Saxophonistin bei In A Sentimental Mood. Weiter so!

         Von 18 bis 19 Uhr überbrückte Lutzemanns Jatzkapelle die Pause des Festivalgeschehens auf dem Marktkirchhof. Meine Kollegen und ich hatten verabredet, daß ich bei diesem Set außen vorblieb, um mir eine Erholungspause zu gönnen, die ich dann auf meinem Hotelzimmer verbrachte. Durch den damit verbundenen Ausfall meines Sousaphons in der Band stellten wir die Instrumentierung um, das heißt konkret: Jörg Kuhfuß wechselte zum Baßsaxophon und übernahm meine Position in der Band, Holzbläser Volker Riebeling übernahm die Führungsfunktion in der Front, unterstützt von Udo Jägers (Banjo) und Markus Rehbock (Schnarrtrommel). Ich hörte mir den ersten Titel wie auch Jörgs beginnende Moderation an, dann überließ ich die Kollegen sich selbst. Wenn der Chef auch mal fehlen kann und eine Band funktioniert dennoch verläßlich, dann stimmt´s mit der Führung.

         Das Jazzgeschehen des Samstagabends tobte von 21.00 bis 01.00 Uhr in acht Lokalitäten der Quedlinburger Innenstadt. Wir spielten in unserem Hotel „Zur Goldenen Sonne“, wo wir auch das Wiedersehen mit unserem langjährigen Freund Franz Schreiber (1992 eröffnete er das legendäre Jazz- und Ausflugslokal „Sägewerk“ am Möhnesee!) und seiner Ehefrau Petra feierten. Für einige Titel kam Franz dann mit Waschbrett zur Band hinzu, was wir bei den beiden weiteren Auftritten am Sonntag wiederholten. Das Sägewerk war in den ersten fünf, sechs Jahren unserer Bandgeschichte äußerst bedeutsam (--> ich empfehle dazu mein 2008er Buch „Lutzemanns Jatzkapelle – Alltag & Abenteuer einer German Jazzband“, ProBUSINESS/Berlin!).

         Am Sonntagvormittag erfreuten drei musikalische Frühschoppen die Jazzerherzen von 10.30-12.00 Uhr. Erfreulicherweise zog „LJK“ auch einige Musiker unter die Zuhörer im Hotel „Zur Goldenen Sonne“, was mir besonders gut gefiel. Da uns das Publikum um 12 Uhr nicht gehen lassen wollte und eine Zugabe nach der anderen verlangte, rettete ich nach der 3. Zugabe unsere Mittagspause durch die Ansage: „Wir wünschen Ihnen und uns nun einen guten Appetit!“

         Wen nach mehr Jazz verlangte, der kam dann ab 14.00 Uhr wieder auf dem Marktkirchhof beim mehrstündigen Abschlußkonzert auf seine Kosten. "Lutzemanns Jatzkapelle" trat dabei von 14.45-15.30 Uhr auf.

         Im Anschluß lauschten wir den nachfolgenden Bands und reflektierten mit Hörern und Veranstalter das ausklingende Jazzfestival. Unsere Gespräche mit den Zuschauern des Festivals in den vergangenen drei Tagen zeigten das hohe Einzugsgebiet des Festivals – Hörer aus Heidelberg und München waren ebenso vertreten wie aus Steinfurt, Ludwigslust, Osnabrück, Hamburg und Berlin oder aus benachbarten Städten wie Goslar, Magdeburg und Aschersleben. Es bleibt dem Freundeskreis „Quedlinburg swingt!“ nur zu wünschen, daß der Reiz des Jazzfestivals wie auch der kultur- und geschichtsträchtigen Region und der Natur des Harzes zukünftig viele Menschen aus nah und fern nach Quedlinburg lockt! Quedlinburg ist immer eine Reise wert!!

Lutz Eikelmann  |  eikelmann-hagen@t-online.de